Galerie Beatrice Brunner
  

Heinz Mollet, 7. März 2014
Acrylemulsion und Pigmente auf Baumwolle, 85 x 100 cm



René Zäch, Passepartout, 2013/4
Karton, Wechselrahmen, Acryllack, 43 x 155 x 37 cm

Heinz Mollet - Transposition
René Zäch - Passepartout

12. April bis 9. Mai 2014

Vernissage
Samstag, 12. April 2014, 16 Uhr
Es spricht Konrad Tobler, Kunstkritiker, Publizist

...Die Malerei von Heinz Mollet kann als Erweiterung des Bildes zum Objekt gesehen werden; umgekehrt thematisiert René Zäch mit seinen Objekten das Bild als Tableau. Und beide arbeiten auf ihre je eigene Weise mit dem Problem des Bildes im Bild. Bei beiden ist bei aller Reflexion über solche Fragen zugleich die Freude am Spiel mit dem Bild sichtbar – und damit verbunden: der Witz, wohlverstanden: der Witz und nicht der Gag.

Der Witz verbindet hier manchmal und eben überraschenderweise Dinge, die so vermeintlich nicht verbunden werden können. Zäch macht beispielsweise durch eine Torsion aus einem Hochformat ein Querformat. Oder er verbindet zwei Bilder derart, dass nur noch die Verbindung der Bilder sichtbar ist, der Blick ins Innere der Bilder nicht mehr möglich ist. Mollet seinerseits wagt es, Formen miteinander in Beziehung zu setzen, die man so noch nie gesehen hat, ein leichter Pinselstrich tritt etwa mit einer Farbballung in einen Dialog, wo bei die Farbballung genau so vielschichtig und dünn gemalt ist. Oder er hebt Gleichgewichte aus dem Lot, fast unmerklich lässt er so Trojaner erscheinen, aber nur im Konjunktiv: «Rechts könnte ein Trojaner auftauchen». Ein weiterer Bildtitel verweist wiederum auf Zäch: «Lob dem Zwischenraum».

Denn bei Zäch ist ja der Zwischenraum, das Nicht-Bild, in diesen ganz neuen Objekten das Zentrum, der Dreh- und Angelpunkt. Wo sonst Bild ist, ist jetzt Raum, nicht Bildraum, sondern Innenraum, nicht Bildtiefe, sondern Raumtiefe. Das Prinzip ist einfach, der Gedanke und die Ausführung jedoch sind höchst komplex, spannend, vielschichtig. Das Prinzip: Ein billiger Rahmen und sein Passepartout – so heisst die Serie ja – werden mit einem oder mehreren billigen Rahmen und den jeweiligen Passepartouts konstruktiv verbunden. So ergeben sich Bild-Gänge, Bilder-Spiegelkabinette, verwehrte Durchsichten, so blickt man auf einmal auf die Rückseite des Passepartouts oder meint gar, man könnte in das Bild eintreten, wenn es denn grösser wäre.

Die Malerei von Heinz Mollet hat keine Bedeutung, kennt keine Bedeutungen. Sie ist bloss die Spur des Pinsels, der die gebundenen Farbpigmente auf der Leinwand aufträgt. Der Pinsel seinerseits ist die Verlängerung der Hand und des Arms, diese wiederum funktionieren im Wechselspiel mit dem Auge. Diese Versuchsanordnung wiederholt der Künstler mit jedem Bild – und lässt dabei seiner malerischen Fantasie freien Lauf.

Falsch wäre es, von Imagination zu sprechen, denn in diesem Wort steckt «imago», Bild, und Bild ist immer ein Bild von etwas. Mollets Bilder aber sind nichts als sich selbst, Fantasien, die entstehen wie aus sich selbst hinaus – das zeigt die Etymologie: Im Wort steckt das Verb φαινειν (phainein), scheinen und erscheinen. Insofern ist die Fantasie nur ein Schein, wie bei Rene Zäch eben ein Als ob, kein Scheinen von etwas, kein Sein. Deswegen kann vor Mollets Bildern nie gesagt werden «das ist». Es ist immer etwas anderes. Darauf verwies der Künstler mit einem seiner letzten Ausstellungstitel „[scheinen]“, bei dem die Klammern andeuteten, dass etwas bloss scheint und nicht ist, nicht einmal scheint. Auch in dieser Ausstellung heisst ein Bildtitel wiederum «scheinen».

Es scheint so, als ob Mollet sich hin zu einer freien Improvisation bewegt hätte. Das Vokabular oder die Möglichkeiten dieser Art der Malerei sind dem Maler frei verfügbar, er braucht nur noch damit zu spielen. Die Improvisation ist die Maschinerie, die seine Bilder in Gang setzt, mit ernstem Witz... 
Auszug Text Konrad Tobler 

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